Im Miteinander als Kirche Zukunft gestalten
Wie bleiben wir lebendige Kirche? Engagierte aus den Dekanaten Göppingen-Geislingen, Heidenheim, Ostalb und Schwäbisch Hall sprachen mit dem Bischof

14.07.2026
In der Seelsorge nah bei den Menschen und gut erreichbar soll Kirche vor Ort auch in Zukunft sein. Wie werden Kirchengemeinden diesem Auftrag gerecht? Was ist ihren Mitgliedern wichtig? Was ist möglich? Auf einer Regionalkonferenz in Schwäbisch Gmünd tauschten sich mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden und Einrichtungen in den Dekanaten Göppingen-Geislingen, Heidenheim, Ostalb und Schwäbisch Hall mit Bischof Dr. Klaus Krämer und den Verantwortlichen des Entwicklungsprozesses „Kirche der Zukunft“ aus.
Voller Symbolkraft erwies sich das Heilig-Kreuz-Münster als Veranstaltungsort, wo Münsterpfarrer und Ostalb-Dekan Robert Kloker und die gewählte Vorsitzende der Münstergemeinde, Susanne Baumhauer, die Delegierten willkommen hießen: Das bekannteste Wahrzeichen Gmünds – die erste große Hallenkirche Süddeutschlands – verdankt seine Bedeutung und Strahlkraft nicht zuletzt der Tatsache, dass die Einwohner einst Neues wagten und mit der Verpflichtung der Baumeisterfamilie Parler einem neuen Baustil den Weg ebneten.
Neustrukturierung schafft Freiräume für Seelsorge
Einen neuen „Baustil“, um im Bild zu bleiben, brauchen Seelsorge und Verwaltung in der Diözese, um den sich ändernden Gegebenheiten gerecht zu werden. Hintergrund sind rückläufige Mitgliederzahlen und dadurch auch sinkende Kirchensteuer-einnahmen, die zu dem Beschluss des Diözesanrats geführt haben, aus den aktuell 1020 Kirchengemeinden bis zum Jahr 2030 etwa 50 bis 80 neue Kirchengemeinden zu bilden. Die Neustrukturierung soll Freiräume schaffen, damit wieder mehr Zeit für den kirchlichen Kernauftrag, die Seelsorge, bleibt. Indem das pastorale Personal und Ehrenamtliche von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, soll auch die Chance für neue pastorale Akzente wachsen.
Bischof steht Engagierten Rede und Antwort
Dass Veränderung mit Unsicherheit verbunden ist, zeigte das Stimmungsbild einer Abfrage der „drei Begriffe zur Kirche der Zukunft“, an der die Delegierten zu Beginn digital teilnahmen. Doch ähnlich oft genannt wurden „Hoffnung“ und „Zuversicht“, und der Weg in die Zukunft solle „gemeinsam“ bzw. in „Gemeinschaft“ beschritten werden. Um alle Gläubigen und Engagierten in dem Entwicklungsprozess mitzunehmen und mit ihnen über die anstehenden Veränderungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ins Gespräch zu kommen, hatten der Bischof und die Verantwortlichen für die verschiedenen Programme des Prozesses eine Reihe von Regionalkonferenzen initiiert, deren sechste jetzt in Schwäbisch Gmünd stattfand. Schon im Vorfeld konnten die Kirchengemeinden Fragen einsenden, die der Bischof im Gespräch mit Stefanie Oeben vom Prozess-Leitungsteam thematisch gebündelt beantwortete. Weitere Fragen formulierten außerdem die Delegierten vor Ort an den bereitstehenden Mikrofonen.
Als ein „Netzwerk verschiedener kirchlicher Orte“ stellt sich der Bischof die künftigen neuen Kirchengemeinden vor. Die bisherigen Kirchengemeinden sind dann zwar keine selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts mehr, aber als „Kirchorte“ Teil dieses Netzwerks und sollen möglichst viel von dem Leben, das sie ausmacht, weiterhin ermöglichen und damit der Vielfalt Rechnung tragen. „Wir wollen keine Zentralisierungen“, vielmehr sollten Verantwortlichkeiten an den Kirchorten erhalten bleiben und diese auch mit einem Budget ausgestattet werden, so Krämer mit Blick auf die Sorge um einen Verlust von Mitsprache, besonders in kleineren Orten. Eine neue Wahlordnung für die Kirchengemeinderäte solle zudem sicherstellen, dass alle Kirchorte repräsentiert sind. Das Ehrenamt sei und bleibe wichtig, solle aber auch kein Lückenbüßer sein, betonte der Bischof.
Bischof dankt Engagierten in den Gemeinden
Für die Standorte der Pfarrbüros in den neuen Kirchengemeinden werde es keine Einheitslösung geben; wichtig sei, weiterhin als Kirche gut erreichbar zu sein. Mit Bezug auf finanzielle Fragen, etwa nach zweckgebundenen Rücklagen bisheriger Kirchengemeinden, bat Bischof Krämer noch um etwas Geduld. Eine Handreichung, die in Arbeit sei, soll Klarheit über den Umgang mit dem kirchengemeindlichen Vermögen schaffen und Bedenken ausräumen. Der Bischof betonte, er sei zuversichtlich, dass man gute Lösungen finden werde.
Zu den angesprochenen Themenfeldern zählte neben der Verteilung des pastoralen Personals in den neuen Kirchengemeinden und der Rolle der Frauen in der Kirche auch die Frage nach der geistlichen Dimension im Transformationsprozess, die nach Ansicht mehrerer Teilnehmender zu wenig erkennbar sei. Vorgeschlagen wurde zum Beispiel, dem Thema Evangelisierung strukturelle Priorität einzuräumen. Mit Blick auf die anstehenden Grundsatzentscheidungen dankte Bischof Krämer allen, die sich mit viel Energie in Gemeinden und Dekanaten im Entwicklungsprozess engagieren. Der Prozess diene dem Ziel, die frohe Botschaft auch in schwierigen Zeiten zu verkünden, in denen Menschen Orientierung suchen. „Das, was wir zu bieten haben, ist so gut, dass wir es auch mit Selbstbewusstsein anbieten können“, sagte der Bischof.
