Impulse zu den Visionsbausteinen

Wenn Sie sich in Ihrem Gremium mit dem Prozess „Kirche der Zukunft“ beschäftigen, können Sie Ihrer Sitzung einen der folgenden biblischen Impulse voranstellen. Die Impulse dienen als geistlicher Rahmen für die Gremienarbeit. Die drei Impulse haben einen unterschiedlichen Umfang – entscheiden Sie selbst, welcher Impuls am besten zu Ihnen passt und Ihren Möglichkeiten entspricht.

Impuls zum Visionsbaustein „jesusmäßig – geistesgegenwärtig – gottvertrauend“ Impuls zu Maria und Marta (Lukas 10, 38-42) Impuls zum
Auferstehungstext (Matthäus 28, 1-10)
Biblischer Impuls Biblischer Impuls Biblischer Impuls
Druckvorlage Visionsbausteine A3 Druckvorlage Visionsbausteine A3 Druckvorlage Bibelsätze
Druckvorlage Visionsbausteine A4 Druckvorlage Visionsbausteine A4  
Druckvorlage Bibelsätze    
Druckvorlage Zitate Mystiker:innen    

Hier können Sie die drei Impulse in einer Datei herunterladen.

Druckhinweise

  • Broschürendruck: Aktivieren Sie die Option „Als Broschüre drucken“ (je nach Drucker auch als „Broschürendruck“ bezeichnet).
  • A4-Druck: Wählen Sie „Größe anpassen“ in den Druckeinstellungen.

Visionsbausteine bestellbar

Hier können die Visionsbausteine als Legespiel bestellt werden: Mit dabei ist auch eine Anleitung, wie man mit den Visionsbausteinen arbeiten kann. Die Postkarte mit den Visionsbausteinen kann in größerer Stückzahl gesondert bestellt werden.

Geistliche Impulse zu den Visionsbausteinen

nachhaltig

Wer nachhaltig handelt, glaubt an die Zukunft. Wer an die Zukunft glaubt, vertraut darauf, dass sie gestaltbar ist und Gutes bereithält. Genau diese Zukunft kommt uns gerade abhanden. 

„Ein Gefühl der Zukunftslosigkeit entsteht“, schreibt Carolin Amlinger in der Frankfurter Sonntagszeitung. „Gesellschaften des Aufbruchs und der Öffnung haben sich in Gesellschaften der Stagnation und Schließung verwandelt“. 

Nachhaltig handeln heißt, in der Gegenwart allein und gemeinsam das tun, was den Horizont der Zukunft wieder öffnet. Niemand ist ohnmächtig, denn zusammen sind wir wirksam – als Christ:innen und als Kirche gemeinsam mit allen, die nicht der Wut, sondern dem Mut den Vorzug geben. Nachhaltig mutig die Zukunft füreinander wieder aufmachen, durchaus ein jesuanisches Programm.

→ Carolin Amlinger: No future, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.9.2025

Christiane Bundschuh-Schramm, Mitglied der Gruppe „Geistbewegt unterwegs"
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Oktober 2025

erfinderisch

Erfinderisch kommt von „finden“. Wer findet, hat vorher etwas gesucht oder ist zufällig auf etwas gestoßen. Die kleine Vorsilbe „er-“ zeigt an, dass das Finden erfolgreich war: Jemand ist fündig geworden, entweder durch Suchen, Nachdenken oder Zufall oder alles drei zusammen. In der spirituellen Tradition wird das Finden ohne Suchen bevorzugt. Nicht, dass man nicht suchen und nachdenken dürfte, wenn man etwas finden will. Wichtiger aber ist die Haltung des Wartens und Schauens. 

Der Philosoph Byung-Chul Han schreibt: „Wer sucht, verfehlt die Gnade. Es ist Gott, der den Menschen sucht. Die Suche von Seiten des Menschen führt nur zur Erschöpfung“. Die christliche Tugend sei das aufmerksame Warten und die Bereitschaft, sich beschenken zu lassen. 

Damit die anstehende Kirchenentwicklung uns nicht überfordert, kann erfinderisch heißen, dass wir uns finden lassen und aufmerksam sind, welche neuen Wege und Ideen uns geschenkt werden - von Anderen, von Außen, mitten in einer Situation, die wir erleben. 

→ Buchtipp: Byung-Chul Han: Sprechen über Gott. Ein Dialog mit Simone Weil, Fröhliche Wissenschaft 254, Berlin 2025.

Christiane Bundschuh-Schramm, Mitglied der Gruppe „geistbewegt unterwegs" 
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, November 2025

sinnstiftend

Was ist sinnstiftend für Sie?

Sich selbst diese Frage oder sie in einem Gruppen- bzw. Klassensetting zu stellen, kann Überraschendes zu Tage bringen, eventuell auch in die Tiefe führen. 

Zunächst ist da die Frage nach dem Sinn oder was sinn-voll ist. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie einer Jungen Erwachsenen, die aufseufzte: „Puh, das habe ich mich schon lange nicht mehr gefragt.“

Für die einen ist sinnstiftend, den eigenen Werten entsprechend etwas voranbringen, Ziele zu erreichen, etwas Gutes tun, anderen helfen. Für andere verbergen sich hinter der einen Frage die großen Fragen des Lebens: Wohin führt mich meine berufliche und private Zukunft? Gerade auch, wenn ich mich frage, wo sieht Gott mich? 

Gerade jüngeren Menschen fällt möglicherweise bereits der Umgang mit dem Wörtchen „Sinn“ schwer. Doch übersetzt man es mit dem, was Halt, Kraft, eine Zielrichtung bietet, sprudelt es aus ihnen heraus: Familie, Liebe, Beziehungen, Freunde Freizeit, Freiheit… Und sie kommen ins Gespräch darüber. Mir scheint, als wäre das bereits der Anfang von sinnstiftendem Handeln – ins Gespräch kommen, zuhören, dem Sinn auf der Spur…

Monika Kling-Witzenhausen, Mitglied der Gruppe „geistlich bewegt" im Gespräch mit Jungen Erwachsenen in der Berufsschule und Jungen-Erwachsenen-Pastoral 
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Dezember 2025

segensreich

„Prost Neujahr! Ein segensreiches Jahr 2026“. 

Es ist gute Tradition, einander zu Beginn eines neuen Jahres Segen zu wünschen. Den Anfang dieser Tradition finden wir bei Abraham: „Ich werde dich segnen und ein Segen sollst du sein.“ (Gen 2,29).

Mit einem Segenszuspruch an Abraham beginnt Gott seine Heilsgeschichte mit uns Menschen. Er sagt Abraham Segen zu, dann auch seinen Nachkommen und schließlich allen Menschen zu allen Zeiten. Wie eine unendlich lange Segenslinie bis heute: „Ich werde dich segnen“ – Damit können wir gestärkt und verheißungsvoll ins neue Jahr gehen. Mit diesem Zuspruch ist auch ein Anspruch verbunden: „Du sollst ein Segen sein.“ Oder einfach: Werde ein Segen! Ein Segen für andere sein, ist eine schöne Berufung, ein schöner Ruf, ein Auftrag für jede:n einzelnen von uns und für uns als Kirche auf dem Weg in die Zukunft. 

Segensreich sein – es geht zunächst um unser Sein, nicht ums Tun, ums Machen. Mich Gott überlassen und vergewissern, dass ich in seiner Gegenwart geborgen und gehalten bin. Wenn ich mich selbst gehalten erfahre, kann ich hinein wachsen in eine segensreiche Haltung und selbst zum Segen werden. Als Kirche auf dem Weg in die Zukunft geht es darum, segensreiche Räume zu eröffnen, in denen jede:r erfahren darf, dass unser Leben von Gott gutgesagt ist, reich gesegnet: 

Ein Segen, hell wie der Sternenhimmel 
leuchte über uns im Neuen Jahr.
Ein Segen, neu wie der Morgen
begleite uns im Aufbruch als Kirche auf dem Weg in die Zukunft.
Ein Segen, tief wie das Meer,
erfülle unsere Herzen mit Liebe und schenke der Welt Frieden.

Kirstin Kruger-Weiß, Geschäftsführerin der Gruppe „geistlich bewegt", Diözesanreferentin Spiritualität und Leitung station s – das Spirituelle Zentrum der kath. Kirche Stuttgart
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Januar 2026

schützend

Die biblische Überlieferung kennt die Erfahrung des schützenden Gottes: „Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen“ (Psalm 91,1). Diese Erfahrung zu teilen und weiterzugeben, ist ein schöner, kirchlicher und christlicher Auftrag. 

Pfadfinder bilden dies in ihrem Pfadfindergruß ab: Der Daumen liegt über dem kleinen Finger. Das bedeutet, dass der Große den Kleinen schützt. 

Schutz geben und Schutz erfahren sind zwei Seiten derselben Medaille eines sich im ständigen Wandel befindlichen Lebens. Jeder Mensch trägt beides in sich, ganz gleich wie scheinbar schwach und scheinbar stark dieser Mensch ist. Hieraus entsteht eine Kultur der Achtsamkeit füreinander und Solidarität. Die Kultur der Achtsamkeit zeigt sich u.a. in Schutzkonzepten und dem Schutz der Menschenwürde. Die Solidarität oder auch Verbundenheit zeigt sich als eine mögliche Antwort auf gesellschaftliche Tendenzen wie zunehmende Individualisierung und dem „Recht des Stärkeren“.

Tobias Haas, Mitglied der Gruppe "geistlich bewegt", Schuldekan für die Bereiche Sonderpädagogik und Inklusion in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Februar 2026

stützend

Das Wort „Stütze“ führt zu unterschiedlichen Gedanken. 

Zum einen wären Hilfskonstruktionen zu nennen, die etwas stützen, was baufällig geworden. 

Zum anderen steht das Stützen auch für Halt und Haltung. Die Unterstützung ist ein maßgeblicher Teil im Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre. Eine Sängerin benötigt die Atemstütze für die Tonqualität. Die unterstützte Kommunikation ermöglicht Menschen, die nicht sprechen können, Teilhabe.

Jesus fragt Bartimäus „Was willst Du, dass ich Dir tue!“ (Markus 10,51). Jesus bietet seine Unterstützung an, begegnet Bartimäus zugleich auf Augenhöhe.

Der Theologe Claudio Ettl entwickelt daraus ein Bartimäusprinzip, etwas verkürzt aber sehr prägnant besagt dieses: im Zentrum christlichen Handelns steht der Mensch – er entscheidet, was er braucht und was zu tun ist.

Tobias Haas, Mitglied der Gruppe „geistlich bewegt“, Schuldekan für die Bereiche Sonderpädagogik und Inklusion in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, März 2026

jesusmäßig

An Jesus Maß nehmen, also handeln wie er.
Dann beinhaltet jesusmäßig eine Aufforderung, einen Anspruch.
Zweifelslos steckt diese Facette in dem kleinen Wort jesusmäßig.
Wie Jesus sein, dürfte eine weitere Facette sein.
Vor dem Anspruch kommt der Zuspruch.
Jesus ist Sohn Gottes, wie du Sohn oder Tochter Gottes bist.
Jesus verbindet den Himmel mit der Erde, wie du auf der Erde lebend mit
himmlischen Gaben ausgestattet bist.
Jesus Christus ist Gott und Mensch, wie du göttliches und menschliches in dir
trägst.
Du bist jesusmäßig und kannst deshalb jesusgemäß handeln.
Jeden Tag neu.
Jeden Tag mit Chancen und Grenzen.
Menschengemäß.

Christiane Bundschuh-Schramm, Mitglied der Gruppe “geistlich bewegt”
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, April 2026

geistesgegenwärtig

Geistesgegenwart – das ist Zuspruch und Anspruch, Gabe und Aufgabe.

Es ist der Zuspruch: Gott ist da. Er ist in jedem von uns gegenwärtig, bewohnt unseren Seelengrund, ist lebendige Quelle, die in uns fließt. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Geist schon immer in uns gegenwärtig ist, uns belebt, inspiriert und erneuert: „Der Geist selber tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.“ (Römerbrief 8, 26) In seiner Gegenwart können wir uns bergen, aufatmen, einfach sein.

Damit wir Gottes Geist in uns wahrnehmen können, braucht es jedoch unsere (ungeteilte) Aufmerksamkeit, müssen wir ganz geistesgegenwärtig sein, wachsam und präsent.
So gegenwärtig können wir die Geistesgegenwart Gottes überall wahrnehmen:

In der Kirche oder in der Natur,
im stillen Verweilen oder im bewegten Gebet,
in Gemeinschaft oder allein,
durch alle Veränderungen hindurch.

Gottes Geist wirkt in jedem von uns, auf ganz unterschiedliche Weise. Er durchatmet uns, lässt uns aufatmen und verbindet uns mit allen Menschen und Geschöpfen.

Kirstin Kruger-Weiß, Mitglied der Gruppe “geistlich bewegt”
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Mai 2026

gottvertrauend

Vertrauen kennen wir als verbindende Beziehung zwischen Menschen: in familiären, partnerschaftlichen Kontexten ebenso wie zwischen Staaten, gesellschaftlichen Gruppen, in wirtschaftlichen wie politischen Konstellationen. 

Mir fällt auf: als Partizip Präsens wird der Begriff „gottvertrauend“ auf dem Visionsbaustein als komplexe Aussage beschrieben. Verdichtet wird ins Wort gebracht: es geht um präzise gleichzeitige, aktive Handlungen und Zustände zwischen Gott und Mensch. „Gott“ selbst wird Teil des Partizips. So bindet sich das Subjekt des Handelns, glaubende Menschen, eng an das Ziel der Haltung und des Handelns. Zugleich: Vertrauen wird für Menschen voraussetzungslos grundgelegt durch Gott bzw. Jesus selbst. 

Gott legt die Voraussetzung in der Erschaffung dieser Welt und des Menschen darin – und sie kulminiert in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus – um unseres Heiles willen. Dieses Vertrauen Gottes bleibt, auch wenn der Mensch mit seinem Vertrauen zurückbleibt und es brüchig wird – beispielhaft zu sehen an Petrus wie Paulus (am 29. Juni feiert die Kirche die beiden Apostel).

Gott / Jesus schaut auf das, was da ist – und setzt dort mit seinem Vertrauen an. Wir schauen auf unsere Mängel und Unzulänglichkeit, unsere Ängste und Ratlosigkeit, doch bewegt werden wir durch die Hoffnung, die Jesus in uns im Evangelium weckt. Wir wachsen ins Vertrauen – zu Gott und zueinander, während Gottes Vertrauen in uns immer voll gegenwärtig ist. Gottvertrauend verhalten wir uns zur Welt offen und handlungsbereit, der frohen Botschaft mit unseren Möglichkeiten Stück um Stück zur Wirklichkeit zu verhelfen – mit Gott in unserer Mitte.

Christoph Schmitt, Arbeitsbereiche Liturgische Dienste, Spirituelle Wegbegleitung, Kirchenraumpädagogik im Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied der Gruppe „geistlich bewegt“
Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Juni 2026

vielgestaltig

Wenn ich mir ein Bild vom Wort vielgestaltig mache, dann denke ich gleich an meinen Garten. Da wachsen Reben an Pfählen ordentlich hochgezogen, Obstbäume, die immer im Frühjahr beschnitten werden, aber da ist auch die wilde Ecke mit den Brombeeren und das Plätzchen, wo sich spontan etwas entwickelt hat als Blume, Strauch, Brennesselecke usw. 

All das zusammen geschaut erlebe ich als einen wunderbaren Naturgarten, in dem ich mich wohlfühle, auch wenn es manchmal Arbeit macht, das Ganze in einem gewissen Maße im Ausgleich zu halten. Und diesen Garten schätze nicht nur ich, sondern auch Schmetterlinge, Vögel, hin und wieder ein Igel, vielleicht auch die Feldmaus. 

Und weil ich dieses wunderbare Erlebnis gerade im Sommer genieße, wünsche ich mir auch im Leben der Kirche eine Vielgestaltigkeit: viele Gestalten, miteinander in die Zukunft zu denken und zu arbeiten, kreativ den Glauben zu teilen und zu feiern, die Vielfalt der Glaubensformen und der Lebensweisen wahrzunehmen, selbst wenn mir das eine oder andere nicht so liegt. Aber es ist ein organisches Ganze, in dem jede „Pflanze“, im Sinne des Paulus (1 Kor 3,5ff.) auf ihre Weise Teil des »Ackers Gottes« ist und die Engagierten (Ehrenamtliche wie Hauptberufliche) darin die Pflege übernehmen von dem, was Gott wachsen lässt – in der Vielgestaltigkeit, die den einen lebendigen Garten ausmacht.

Christoph Schmitt, Arbeitsbereiche Liturgische Dienste, Spirituelle Wegbegleitung, Kirchenraumpädagogik im Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied der Gruppe „geistlich bewegt“

Geistlicher Impuls im Newsletter “Kirche der Zukunft”, Juli 2026